Ist ein Entfremdungszauber im Islam eine Sünde?

MuratSahin

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Ein Entfremdungszauber im Islam gilt nach überwiegender Gelehrtenmeinung als schwere Sünde. Wer andere Menschen durch magische Praktiken voneinander trennen möchte, betreibt Sihr – also schwarze Magie –, die im Koran und in der Sunna ausdrücklich verboten ist. Diese Einschätzung ist unter islamischen Gelehrten weitgehend einheitlich.

Der Begriff „Entfremdungszauber" beschreibt Rituale oder Praktiken, die darauf abzielen, Zuneigung zwischen zwei Personen zu zerstören. Im islamischen Kontext wird dies als ein schwerwiegender Eingriff in das Schicksal anderer Menschen bewertet, der dem Willen Allahs widerspricht.

Was sagt der Koran über Sihr und Trennungszauber?​


Im Koran wird Sihr an mehreren Stellen erwähnt, besonders deutlich in Sure Al-Baqara (2:102). Dort wird beschrieben, wie die Dämonen Harut und Marut den Menschen Magie lehrten, darunter ausdrücklich das Wissen, „wie man zwischen Mann und Frau Zwietracht sät". Der Koran bezeichnet diese Praxis als Kufr – als Unglauben oder Verwerflichkeit. Wer Sihr anwendet oder in Auftrag gibt, handelt nach dieser Stelle gegen die göttliche Ordnung. Die Gelehrten leiten daraus ab, dass ein Entfremdungszauber nicht nur eine einfache Sünde ist, sondern zu den großen Sünden im Islam zählt, den sogenannten Kaba'ir.

Warum gilt Trennungsmagie als besonders schwere Sünde?​


Ein Entfremdungszauber greift gezielt in das Leben anderer Menschen ein und verletzt deren Würde sowie freien Willen. Im islamischen Recht ist es verboten, anderen Menschen absichtlich Schaden zuzufügen – dieses Prinzip heißt La darar wa la dirar. Trennungsmagie verstößt gegen diesen Grundsatz, weil sie darauf ausgerichtet ist, Beziehungen zu zerstören, Familien zu trennen oder emotionalen Schaden zu verursachen. Hinzu kommt, dass derjenige, der einen Zauberer oder eine Zauberin aufsucht, nach einem Hadith des Propheten Muhammad (Frieden sei mit ihm) bereits durch diese Handlung seinen Glauben gefährdet. Der Prophet soll gesagt haben, dass das Aufsuchen eines Wahrsagers oder Zauberers dazu führt, dass das Gebet von vierzig Tagen nicht angenommen wird.

Gibt es im Islam Unterschiede zwischen verschiedenen Arten von Magie?​


Islamische Gelehrte unterscheiden grundsätzlich zwischen erlaubten und verbotenen Praktiken. Ruqya – also das Lesen von Koranversen zum Schutz oder zur Heilung – gilt als erlaubt und wird sogar empfohlen. Amulette mit Koranversen sind unter bestimmten Gelehrten ebenfalls akzeptiert, während andere auch diese ablehnen. Entfremdungszauber, Liebeszauber oder Schadenszauber hingegen fallen eindeutig in die Kategorie des verbotenen Sihr. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil viele Menschen zwischen Schutzpraktiken und aktiver Schadensmagie nicht klar trennen. Ein Entfremdungszauber hat immer das Ziel, Schaden anzurichten, und ist daher nicht mit erlaubten spirituellen Praktiken vergleichbar.

Was sollten Muslime tun, wenn sie glauben, Opfer eines Zaubers zu sein?​


Wer befürchtet, Opfer eines Entfremdungszaubers oder anderer magischer Einflüsse zu sein, sollte nach islamischer Lehre zunächst Zuflucht bei Allah suchen. Empfohlen werden regelmäßiges Rezitieren von Sure Al-Falaq und Sure An-Nas, das Lesen von Ayat al-Kursi sowie aufrichtige Bittgebete. Professionelle Hilfe sollte bei einem seriösen Ruqya-Praktizierenden gesucht werden, der ausschließlich mit Koran und Sunna arbeitet. Von Personen, die behaupten, Gegenmagie oder eigene Zauber einzusetzen, ist dringend abzuraten, da man damit erneut in verbotenes Terrain gerät. Vertrauen, Geduld und Gebet gelten im Islam als die wirksamsten Mittel gegen spirituelle Angriffe.

Häufig gestellte Fragen​


Ist es eine Sünde, einen Zauberer aufzusuchen, um jemanden zu trennen?​


Ja, das gilt im Islam als schwere Sünde. Wer einen Zauberer aufsucht, um einen Entfremdungszauber in Auftrag zu geben, begeht nach islamischer Lehre eine der großen Sünden und gefährdet nach überlieferten Hadithen seinen Glauben ernsthaft.

Kann ein Entfremdungszauber rückgängig gemacht werden?​


Nach islamischer Überzeugung kann Allah jeden Schaden aufheben. Erlaubte Mittel wie Ruqya, aufrichtiges Gebet und Reue gelten als Wege zur Heilung. Ob und wie ein solcher Einfluss tatsächlich wirkt, lässt sich religiös oder wissenschaftlich nicht eindeutig belegen.

Ist der Glaube an Zauber selbst schon problematisch?​


Der Islam erkennt die Existenz von Sihr grundsätzlich an, wie Koran und Sunna zeigen. Problematisch wird es, wenn jemand Zauber mehr vertraut als Allah oder aktiv magische Praktiken anwendet. Bloßes Wissen um die Existenz von Magie ist kein Glaubensproblem.

Was ist der Unterschied zwischen Sihr und Ayin al-Hasad?​


Sihr bezeichnet aktive Zauberpraktiken, die bewusst ausgeführt werden. Ayin al-Hasad, der böse Blick, entsteht hingegen oft unbewusst durch Neid oder starke Bewunderung. Beide gelten im Islam als real und schädlich, unterscheiden sich aber in Absicht und Ausführung grundlegend voneinander.
 
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