Ist ein Rückholzauber im Islam eine Sünde?

AyseCelik

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Ein Rückholzauber im Islam gilt nach der klassischen islamischen Rechtslehre als verboten, weil er in die Kategorie der Zauberei (Sihr) fällt, die im Koran und in der Sunna ausdrücklich verurteilt wird. Ob es sich um eine schwere Sünde handelt, hängt davon ab, welche Mittel eingesetzt werden und welche Absicht dahintersteht.

Viele Muslime stellen sich diese Frage, wenn eine Beziehung zerbricht und der Wunsch entsteht, den Partner zurückzugewinnen. Die Grenze zwischen erlaubtem Gebet und verbotener Magie ist dabei nicht immer leicht zu erkennen, weshalb eine differenzierte Betrachtung notwendig ist.

Was sagt der Islam über Zauberei und Sihr?​


Im Islam ist Sihr, also Zauberei in jeder Form, eine der schwerwiegendsten Sünden. Sure Al-Baqara (2:102) beschreibt ausführlich, wie die Zauberei von Harut und Marut verbreitet wurde, und bezeichnet sie als etwas, das dem Menschen schadet, ohne ihm zu nützen. Der Prophet Muhammad (Friede sei mit ihm) nannte Sihr in einem bekannten Hadith unter den sieben vernichtenden Sünden. Wer Zauberei praktiziert oder in Auftrag gibt, begeht nach dieser Lehrmeinung eine große Sünde. Ein Rückholzauber, der darauf abzielt, den freien Willen einer anderen Person zu manipulieren, fällt eindeutig in diesen verbotenen Bereich.

Warum gilt ein Rückholzauber als besonders problematisch?​


Ein zentrales Problem des Rückholzaubers liegt in der Absicht, den Willen eines anderen Menschen zu beeinflussen. Im islamischen Verständnis besitzt jeder Mensch einen von Allah gegebenen freien Willen. Ihn durch magische Mittel zu manipulieren, gilt als Eingriff in die göttliche Ordnung. Viele islamische Gelehrte betonen zudem, dass solche Praktiken häufig mit der Anrufung von Dschinn oder anderen Geistern verbunden sind, was als Schirk, also Beigesellung zu Allah, gewertet werden kann. Schirk ist die einzige Sünde, die laut Koran nicht vergeben wird, wenn man ohne Reue stirbt. Damit kann ein Rückholzauber weit über eine einfache Sünde hinausgehen.

Gibt es erlaubte islamische Wege, einen Partner zurückzugewinnen?​


Ja, der Islam kennt erlaubte Mittel, um eine Beziehung zu heilen oder einen Partner zurückzugewinnen. Dua, also aufrichtiges Bittgebet direkt an Allah, ist das wichtigste und wirksamste Mittel. Das Gebet Istikhara hilft dabei, die richtige Entscheidung zu erkennen und sich dem Willen Allahs zu unterwerfen. Darüber hinaus empfehlen islamische Gelehrte offene Kommunikation, Geduld und wenn nötig Beratung durch eine vertrauenswürdige Person oder einen Imam. Koranverse zu rezitieren und Ruqya, also erlaubte Schutzgebete, anzuwenden, gilt ebenfalls als zulässig. Diese Wege respektieren den freien Willen beider Parteien und stehen im Einklang mit islamischen Grundsätzen.

Was sollte man tun, wenn man bereits einen Rückholzauber in Auftrag gegeben hat?​


Wer erkennt, dass er einen Rückholzauber beauftragt oder durchgeführt hat, sollte zunächst aufrichtige Reue zeigen, die im Islam als Tawba bezeichnet wird. Tawba bedeutet, die Sünde zu bereuen, sie aufzugeben und fest entschlossen zu sein, sie nicht zu wiederholen. Islamische Gelehrte empfehlen, sich an einen seriösen Imam oder islamischen Gelehrten zu wenden, um Orientierung zu erhalten. Zusätzlich können Ruqya-Praktiker helfen, mögliche spirituelle Auswirkungen zu behandeln. Allah ist nach islamischer Überzeugung der Allvergebende, und aufrichtige Reue öffnet die Tür zur Vergebung. Entscheidend ist, den eingeschlagenen Weg zu verlassen und sich wieder an erlaubten Mitteln zu orientieren.

Häufig gestellte Fragen​


Ist es eine Sünde, online nach einem Rückholzauber zu suchen?​


Das bloße Suchen nach Informationen ist noch keine Sünde, solange man keine Absicht hat, verbotene Praktiken anzuwenden. Wer jedoch gezielt nach Anbietern sucht, um einen Zauber in Auftrag zu geben, nähert sich dem verbotenen Bereich und sollte innehalten.

Kann ein Rückholzauber dem Betroffenen schaden, auf den er gerichtet ist?​


Nach islamischer Überzeugung kann Sihr tatsächlich Schaden anrichten, wenn Allah es zulässt. Der Koran bestätigt, dass Zauberei Schaden zwischen Eheleuten stiften kann. Wer einen solchen Zauber einsetzt, trägt damit auch die Verantwortung für mögliche Folgen für die andere Person.

Unterscheidet sich ein Liebesgebet von einem Rückholzauber?​


Ein Liebesgebet, das direkt an Allah gerichtet ist und den freien Willen der anderen Person respektiert, gilt als erlaubt. Ein Rückholzauber hingegen versucht, durch übernatürliche Mittel außerhalb Allahs den Willen eines Menschen zu steuern, was ihn in die Kategorie des verbotenen Sihr einordnet.

Welche islamischen Gelehrten haben sich zu Rückholzaubern geäußert?​


Zahlreiche klassische und zeitgenössische Gelehrte, darunter Ibn Baz und Ibn Uthaymin, haben Sihr in allen Formen als verboten erklärt. Ihre Fatwas sind in arabischen Originalquellen zugänglich. Es empfiehlt sich, bei konkreten Fragen einen anerkannten Gelehrten oder eine islamische Beratungsstelle direkt zu kontaktieren.
 
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