AyseCelik
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Remil und Geomantie sind zwei eng verwandte Wahrsagemethoden, die auf Punktmustern und geometrischen Figuren basieren – doch sie stammen aus unterschiedlichen kulturellen Traditionen und folgen verschiedenen Systematiken. Wer sich für okkulte Wissenschaften oder islamische Geheimkünste interessiert, stößt früher oder später auf beide Begriffe und fragt sich, wo die Grenzen verlaufen.
Der Begriff Remil leitet sich vom arabischen Wort raml ab, was schlicht „Sand" bedeutet. Die Geomantie hingegen ist der westliche Oberbegriff für dasselbe Grundprinzip, geprägt durch griechisch-lateinische Überlieferung. Beide Systeme nutzen zufällig erzeugte Punktreihen, um daraus Figuren zu bilden und diese zu deuten – doch Methode, Sprache und Deutungsrahmen unterscheiden sich erheblich.
Remil ist eine islamisch geprägte Wahrsagekunst, die ihren Ursprung in der arabisch-persischen Gelehrtenwelt des Mittelalters hat. Überlieferungen zufolge soll der Erzengel Dschibril (Gabriel) dem Propheten Idris dieses Wissen offenbart haben, weshalb Remil in bestimmten Kreisen als erlaubte oder zumindest tolerierte Wissensdisziplin galt. Praktiker zeichnen dabei mit einem Stift oder Finger vier Reihen zufälliger Punkte in Sand, Erde oder auf Papier. Aus der geraden oder ungeraden Anzahl der Punkte entstehen sechzehn mögliche Figuren, sogenannte Schakl (Formen). Diese Figuren werden anschließend nach festgelegten Regeln in ein Deutungsschema – das sogenannte Remil-Tableau – eingetragen und miteinander in Beziehung gesetzt. Die Deutung erfolgt auf Arabisch und stützt sich auf klassische Lehrwerke der islamischen Geheimwissenschaften.
Die westliche Geomantie entwickelte sich durch arabische Einflüsse, die über Nordafrika und Spanien ins mittelalterliche Europa gelangten. Europäische Gelehrte wie Hugo von Santalla übersetzten arabische Remil-Texte ins Lateinische und schufen damit eine eigenständige Tradition. Im Kern funktioniert auch die westliche Geomantie mit sechzehn Figuren, die durch zufällige Punktreihen erzeugt werden. Allerdings tragen diese Figuren lateinische oder okzidentale Namen wie Puer, Populus, Carcer oder Fortuna Major. Die Deutung eingebettet sich in ein Horoskopschema, das sogenannte Geomantische Haus-System mit zwölf Häusern, ähnlich wie in der astrologischen Praxis. Westliche Geomantie verbindet sich zudem stärker mit hermetischer Philosophie, Kabbala und Elementen-Lehre, während Remil vorrangig in einem islamisch-kosmologischen Rahmen verankert bleibt.
Der auffälligste Unterschied liegt im kulturellen und sprachlichen Kontext. Remil-Praktizierende verwenden arabische Figurennamen, islamische Gebetsformeln zur Vorbereitung und beziehen sich auf Werke klassischer arabischer Gelehrter. Die westliche Geomantie hingegen arbeitet mit lateinischen Begriffen, astrologischen Zuordnungen zu Planeten und Tierkreiszeichen sowie hermetischen Symbolen. Auch die Darstellung des Tableau unterscheidet sich: Im Remil-System werden die Figuren in einem spezifischen Rastertableau angeordnet, das sich von der Horoskop-Darstellung der europäischen Geomantie unterscheidet. Beide Systeme erzeugen jedoch durch denselben Grundmechanismus – die Auswertung gerader und ungerader Punkte – identische oder nahezu identische Grundfiguren. Ein erfahrener Praktiker kann daher beide Traditionen parallel studieren und gegenseitig bereichern.
In der islamisch geprägten Welt, insbesondere im arabischen Raum, in der Türkei, in Iran und in Teilen Südasiens, ist Remil bis heute eine lebendige, wenn auch selten öffentlich diskutierte Praxis. Es wird oft von Scheichs, Sufi-Gelehrten oder spezialisierten Wahrsagern angewandt. In Europa und Nordamerika erlebt die westliche Geomantie seit den 1980er-Jahren durch das Interesse an Okkultismus und esoterischen Systemen eine Renaissance. Autoren wie John Michael Greer haben umfangreiche Lehrwerke zur Geomantie veröffentlicht und das System für ein modernes Publikum zugänglich gemacht. Beide Traditionen sind aktiv, richten sich jedoch an unterschiedliche kulturelle Zielgruppen und einbetten sich in verschiedene spirituelle Weltbilder.
Im Kern ja – beide basieren auf denselben sechzehn Figuren, die durch zufällige Punktreihen entstehen. Der Unterschied liegt in der kulturellen Einbettung, den verwendeten Sprachen und den Deutungsrahmen: arabisch-islamisch bei Remil, hermetisch-astrologisch bei der westlichen Geomantie.
Grundsätzlich ja, da die Systematik der Figuren und des Tableau auch in übersetzter Form erlernbar ist. Für ein tiefes Verständnis klassischer Remil-Texte sind jedoch zumindest Grundkenntnisse im Arabischen hilfreich, da viele Originaltexte nicht vollständig übersetzt vorliegen.
Die Rechtslage variiert je nach Land und Gelehrter Meinung. Manche islamische Gelehrte betrachten Remil als erlaubte Wissenschaft, andere lehnen jede Form der Wahrsagerei ab. Eine einheitliche religiöse oder gesetzliche Regelung existiert nicht, und die Praxis bewegt sich oft in einer Grauzone.
Für die westliche Geomantie gilt John Michael Greers The Art and Practice of Geomancy als zugängliches Standardwerk. Für Remil sind deutschsprachige Einführungen rar; Interessierte greifen oft auf englische oder türkische Sekundärliteratur zurück, die klassische arabische Quellen zusammenfasst.
Der Begriff Remil leitet sich vom arabischen Wort raml ab, was schlicht „Sand" bedeutet. Die Geomantie hingegen ist der westliche Oberbegriff für dasselbe Grundprinzip, geprägt durch griechisch-lateinische Überlieferung. Beide Systeme nutzen zufällig erzeugte Punktreihen, um daraus Figuren zu bilden und diese zu deuten – doch Methode, Sprache und Deutungsrahmen unterscheiden sich erheblich.
Was ist Remil und woher stammt es?
Remil ist eine islamisch geprägte Wahrsagekunst, die ihren Ursprung in der arabisch-persischen Gelehrtenwelt des Mittelalters hat. Überlieferungen zufolge soll der Erzengel Dschibril (Gabriel) dem Propheten Idris dieses Wissen offenbart haben, weshalb Remil in bestimmten Kreisen als erlaubte oder zumindest tolerierte Wissensdisziplin galt. Praktiker zeichnen dabei mit einem Stift oder Finger vier Reihen zufälliger Punkte in Sand, Erde oder auf Papier. Aus der geraden oder ungeraden Anzahl der Punkte entstehen sechzehn mögliche Figuren, sogenannte Schakl (Formen). Diese Figuren werden anschließend nach festgelegten Regeln in ein Deutungsschema – das sogenannte Remil-Tableau – eingetragen und miteinander in Beziehung gesetzt. Die Deutung erfolgt auf Arabisch und stützt sich auf klassische Lehrwerke der islamischen Geheimwissenschaften.
Was versteht man unter Geomantie im westlichen Sinne?
Die westliche Geomantie entwickelte sich durch arabische Einflüsse, die über Nordafrika und Spanien ins mittelalterliche Europa gelangten. Europäische Gelehrte wie Hugo von Santalla übersetzten arabische Remil-Texte ins Lateinische und schufen damit eine eigenständige Tradition. Im Kern funktioniert auch die westliche Geomantie mit sechzehn Figuren, die durch zufällige Punktreihen erzeugt werden. Allerdings tragen diese Figuren lateinische oder okzidentale Namen wie Puer, Populus, Carcer oder Fortuna Major. Die Deutung eingebettet sich in ein Horoskopschema, das sogenannte Geomantische Haus-System mit zwölf Häusern, ähnlich wie in der astrologischen Praxis. Westliche Geomantie verbindet sich zudem stärker mit hermetischer Philosophie, Kabbala und Elementen-Lehre, während Remil vorrangig in einem islamisch-kosmologischen Rahmen verankert bleibt.
Worin liegen die konkreten Unterschiede in der Praxis?
Der auffälligste Unterschied liegt im kulturellen und sprachlichen Kontext. Remil-Praktizierende verwenden arabische Figurennamen, islamische Gebetsformeln zur Vorbereitung und beziehen sich auf Werke klassischer arabischer Gelehrter. Die westliche Geomantie hingegen arbeitet mit lateinischen Begriffen, astrologischen Zuordnungen zu Planeten und Tierkreiszeichen sowie hermetischen Symbolen. Auch die Darstellung des Tableau unterscheidet sich: Im Remil-System werden die Figuren in einem spezifischen Rastertableau angeordnet, das sich von der Horoskop-Darstellung der europäischen Geomantie unterscheidet. Beide Systeme erzeugen jedoch durch denselben Grundmechanismus – die Auswertung gerader und ungerader Punkte – identische oder nahezu identische Grundfiguren. Ein erfahrener Praktiker kann daher beide Traditionen parallel studieren und gegenseitig bereichern.
Welche Tradition wird heute häufiger praktiziert?
In der islamisch geprägten Welt, insbesondere im arabischen Raum, in der Türkei, in Iran und in Teilen Südasiens, ist Remil bis heute eine lebendige, wenn auch selten öffentlich diskutierte Praxis. Es wird oft von Scheichs, Sufi-Gelehrten oder spezialisierten Wahrsagern angewandt. In Europa und Nordamerika erlebt die westliche Geomantie seit den 1980er-Jahren durch das Interesse an Okkultismus und esoterischen Systemen eine Renaissance. Autoren wie John Michael Greer haben umfangreiche Lehrwerke zur Geomantie veröffentlicht und das System für ein modernes Publikum zugänglich gemacht. Beide Traditionen sind aktiv, richten sich jedoch an unterschiedliche kulturelle Zielgruppen und einbetten sich in verschiedene spirituelle Weltbilder.
Häufig gestellte Fragen
Sind Remil und Geomantie dasselbe System?
Im Kern ja – beide basieren auf denselben sechzehn Figuren, die durch zufällige Punktreihen entstehen. Der Unterschied liegt in der kulturellen Einbettung, den verwendeten Sprachen und den Deutungsrahmen: arabisch-islamisch bei Remil, hermetisch-astrologisch bei der westlichen Geomantie.
Kann man Remil ohne Arabischkenntnisse erlernen?
Grundsätzlich ja, da die Systematik der Figuren und des Tableau auch in übersetzter Form erlernbar ist. Für ein tiefes Verständnis klassischer Remil-Texte sind jedoch zumindest Grundkenntnisse im Arabischen hilfreich, da viele Originaltexte nicht vollständig übersetzt vorliegen.
Ist Remil in islamischen Ländern verboten?
Die Rechtslage variiert je nach Land und Gelehrter Meinung. Manche islamische Gelehrte betrachten Remil als erlaubte Wissenschaft, andere lehnen jede Form der Wahrsagerei ab. Eine einheitliche religiöse oder gesetzliche Regelung existiert nicht, und die Praxis bewegt sich oft in einer Grauzone.
Welche Bücher empfehlen sich für Einsteiger in die Geomantie?
Für die westliche Geomantie gilt John Michael Greers The Art and Practice of Geomancy als zugängliches Standardwerk. Für Remil sind deutschsprachige Einführungen rar; Interessierte greifen oft auf englische oder türkische Sekundärliteratur zurück, die klassische arabische Quellen zusammenfasst.